Ertaubung

Ertaubung: Wenn die Welt plötzlich still wird

Hast du dich schon einmal gefragt, wie es sich anfühlt, wenn die Welt plötzlich still wird? Ertaubung beschreibt genau diesen Moment – einen völligen Hörverlust, der erst nach dem Spracherwerb eintritt. Betroffene haben die Lautsprache bereits erworben und beherrschen sie weiterhin. Trotzdem stellt die Ertaubung eine massive Herausforderung dar und verändert das Leben grundlegend. In diesem Artikel erfährst du, was Ertaubung bedeutet, welche Ursachen sie hat und wie Betroffene damit umgehen können.

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Was ist eine Ertaubung?

Ertaubung bezeichnet einen Hörverlust, der nach dem Erlernen der Sprache eintritt. Fachleute unterscheiden dabei zwischen verschiedenen Formen. Bei der postlingualen Ertaubung verliert ein Mensch sein Gehör, nachdem er bereits die Lautsprache erworben hat. Als Grenze gilt dabei häufig das siebte Lebensjahr, da sich die Sprache bis dahin so weit gefestigt hat, dass sie auch bei einem vollständigen Hörverlust nicht verloren geht.

Im Gegensatz dazu steht die prälinguale Taubheit, bei der Kinder vor dem Spracherwerb taub werden oder bereits taub geboren werden. In diesem Fall ist der Spracherwerb erheblich erschwert, da die Lautsprache nicht auf natürlichem Wege erlernt werden kann.

Die Ertaubung kann dabei entweder plötzlich eintreten, etwa durch ein Lärmtrauma oder einen Hörsturz oder sich langsam und schleichend entwickeln. Manchmal verläuft sie zudem in mehreren Schüben, etwa nach einem Unfall oder einer Hirnhautentzündung.

Welche Ursachen hat eine Ertaubung?

Die Ursachen für eine Ertaubung sind vielfältig. Häufig geht einer vollständigen Ertaubung dabei eine fortschreitende Schwerhörigkeit voraus. Folgende Faktoren können einen Hörverlust auslösen:

Hörstürze verursachen dabei einen plötzlichen Hörverlust. Virusinfektionen wie Mumps oder HIV sowie bakterielle Innenohrentzündungen können zudem zu einer Ertaubung führen. Toxische Einflüsse durch bestimmte Medikamente oder gewerbliche Gifte stellen weitere Risikofaktoren dar.

Krankheiten wie Meningitis, Multiple Sklerose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können ebenfalls einen Hörverlust verursachen. Darüber hinaus können Unfälle und Kopfverletzungen das Hörorgan schädigen. Nicht zuletzt spielen zudem genetische Faktoren eine Rolle, da einige Formen der Ertaubung erblich bedingt sind.

Wie verläuft eine Ertaubung?

Der Prozess der Ertaubung verläuft in den meisten Fällen schleichend. Er beginnt dabei typischerweise mit einem Hochtonverlust, bei dem höhere Frequenzen nicht mehr wahrgenommen werden. Umweltgeräusche wie Vogelgezwitscher oder das Klingeln eines Telefons werden dabei zunehmend unhörbar. Frauen- und Kinderstimmen werden zudem schwerer verständlich.

Im weiteren Verlauf nimmt die Sprachverständlichkeit insgesamt ab. Betroffene haben dabei Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen – insbesondere in lauter Umgebung. Sie bemerken, dass sie immer häufiger nachfragen müssen oder Unterhaltungen missverstehen.

Bei fortschreitender Ertaubung können zudem Begleiterscheinungen wie Gleichgewichtsstörungen oder Tinnitus auftreten. Viele Betroffene beschreiben dabei einen Verlust an Spontanität, der aus den Kommunikationsschwierigkeiten resultiert.

Psychosoziale Auswirkungen der Ertaubung

Die Auswirkungen einer Ertaubung gehen weit über den reinen Hörverlust hinaus. Besonders schwerwiegend ist dabei die Einschränkung in der Kommunikation und im sozialen Bereich. Ertaubte Menschen sind plötzlich aus der vorher selbstverständlichen lautsprachlichen Kommunikation weitestgehend ausgeschlossen.

Dies führt dabei häufig zu sozialer Isolation, da Betroffene sich aus Situationen zurückziehen, in denen sie nicht mehr problemlos kommunizieren können. Der erhöhte Konzentrationsaufwand bei der Informationsverarbeitung verbraucht dabei schnell die Energiereserven, was zu körperlicher und geistiger Erschöpfung führt.

Psychische Belastungen wie Depressionen oder ein vermindertes Selbstwertgefühl können dabei die Folge sein. Spätertaubte bleiben zudem oft mit der hörenden Welt verbunden, ohne einen Bezug zur Taubengemeinschaft aufzubauen. Dies kann zu einem Gefühl des Dazwischenseins führen – nicht mehr vollständig Teil der hörenden Welt, aber auch nicht integriert in die Gehörlosengemeinschaft.

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Bei Verdacht auf eine beginnende Ertaubung ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend. Ein HNO-Arzt führt dabei verschiedene Hörtests durch, wie die Tonschwellenaudiometrie oder die Sprachaudiometrie.

Die Behandlungsmöglichkeiten hängen dabei von der Ursache und dem Grad des Hörverlusts ab. Bei einem akuten Hörsturz besteht die Chance auf Verbesserung durch eine rechtzeitige medikamentöse Behandlung. Bei schwerem Hörverlust kommen Hörgeräte zum Einsatz. Reichen diese nicht mehr aus, kann ein Cochlea-Implantat eine Lösung sein. Dieses elektronische Gerät stimuliert dabei direkt den Hörnerv und übernimmt die Funktion des Innenohrs.

Bei postlingualer Taubheit sollte die Implantation dabei möglichst innerhalb eines Jahres erfolgen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Kommunikationsmethoden für Ertaubte

Für Menschen mit einer Ertaubung ist es dabei wichtig, alternative Kommunikationsmethoden zu erlernen. Eine Möglichkeit ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS), eine eigenständige visuell-manuelle Sprache mit eigener Grammatik, die seit 2002 gesetzlich anerkannt ist. Mit duomano kannst du Gebärdensprache dabei spielerisch und flexibel erlernen – wann und wo du möchtest.

Eine weitere Option sind Lautsprachbegleitende Gebärden (LBG), bei denen simultan zu jedem gesprochenen Wort eine Gebärde ausgeführt wird. LBG folgt dabei der Grammatik der deutschen Lautsprache und ist für viele Spätertaubte leichter zu erlernen. Auch technische Hilfsmittel wie Schriftdolmetscher oder Sprache-zu-Text-Apps unterstützen dabei die Kommunikation im Alltag.

Das Lippenlesen ist zudem eine weitere wichtige Fähigkeit, die viele Ertaubte erlernen. Sie erfordert dabei viel Übung und Konzentration.

Praktische Tipps für den Alltag mit Ertaubung

Das Leben mit einer Ertaubung erfordert Anpassungen im Alltag. Wichtig ist dabei, offen mit der Hörbehinderung umzugehen und das Umfeld zu informieren. Erkläre deinen Freunden und Kollegen, wie sie am besten mit dir kommunizieren können. Bitte sie dabei, deutlich zu sprechen, dir zugewandt zu sein und für gute Lichtverhältnisse zu sorgen.

In Gruppen kann es zudem hilfreich sein, einen festen Platz zu wählen, von dem aus du alle Teilnehmer gut sehen kannst. Nutze außerdem technische Hilfsmittel wie Lichtsignalanlagen für Türklingel oder Rauchmelder.

Teile deine Energie dabei bewusst ein und plane regelmäßige Pausen ein. Erlaube dir, Wut und Trauer über den Hörverlust zuzulassen – versuche dann aber, die Energie in positive Bahnen zu lenken. Viele Betroffene berichten dabei, dass sie durch die Ertaubung neue Fähigkeiten entdeckt haben, die ihr Leben auf unerwartete Weise bereichert haben.

Unterstützung und Ressourcen

Als Betroffener musst du dabei nicht allein mit der Ertaubung umgehen. Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. bietet dabei Informationen, Beratung und setzt sich politisch für die Rechte von Menschen mit Hörbehinderungen ein.

Selbsthilfegruppen für Spätertaubte bieten zudem die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Der emotionale Rückhalt durch Menschen in einer ähnlichen Situation ist dabei von unschätzbarem Wert. Für die berufliche Integration stehen außerdem Integrationsfachdienste zur Verfügung, die bei der Arbeitsplatzanpassung beraten.

Mit Ertaubung ein erfülltes Leben führen

Ertaubung ist eine komplexe Erfahrung, die jeden Betroffenen auf unterschiedliche Weise herausfordert. Der Umgang damit erfordert dabei Zeit, Geduld und die Bereitschaft, neue Wege der Kommunikation zu erlernen. Ertaubung stellt dabei nicht nur ein medizinisches Problem dar, sondern hat wesentliche Auswirkungen auf das soziale Leben und das Selbstbild.

Durch den technischen Fortschritt und die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz von Gebärdensprache verbessern sich die Möglichkeiten für Ertaubte dabei stetig. Letztendlich geht es darum, trotz der Ertaubung aktiv am Leben teilzuhaben und persönliche Ziele zu verfolgen. Mit dem richtigen Unterstützungsnetzwerk und einer positiven Einstellung kannst du dabei lernen, mit den Herausforderungen der Ertaubung umzugehen und ein erfülltes Leben zu führen.

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