Gebärdensprache international

Wer zum ersten Mal Gebärdensprache sieht, fragt oft: Ist das überall gleich? Die kurze Antwort lautet nein. Gebärdensprache international gibt es nicht als eine gemeinsame Sprache. Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache mit eigenem Wortschatz und eigener Grammatik, manche Länder sogar mehrere. Für Begegnungen über Landesgrenzen hinweg nutzen taube Menschen International Sign (IS), eine Form der Verständigung, die Elemente verschiedener Gebärdensprachen verbindet.

Hier erfährst du, wie viele Gebärdensprachen es gibt, wie sich DGS, ASL und BSL unterscheiden und wie International Sign funktioniert.

Fünf Personen mit Namensschildern unterhalten sich lachend vor einem Konferenzgebäude. Eine Person sitzt im Rollstuhl.
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Gibt es eine internationale Gebärdensprache?

Eine internationale Gebärdensprache, die überall gleich ist, gibt es nicht. Gebärdensprachen sind natürlich entstanden, dort, wo taube Menschen zusammenkamen, etwa an Gehörlosenschulen. Deshalb haben sie sich in jedem Land eigenständig entwickelt, ähnlich wie gesprochene Sprachen.

Was ist International Sign (IS)?

International Sign ist keine vollständige Landessprache, sondern eine Kommunikationsform für den internationalen Austausch. Gebärdende kombinieren dabei bekannte Gebärden aus verschiedenen Ländern, gut verständliche ikonische Gebärden, Mimik und Körperhaltung. Früher wurde IS oft als Pidgin-Sprache bezeichnet. Fachleute beschreiben es heute eher als Kontaktsprache, die sich je nach Situation und Publikum anpasst.

In den 1970er-Jahren veröffentlichte der Weltverband der Gehörlosen (WFD) unter dem Namen Gestuno eine Sammlung gemeinsamer Gebärden. Ähnlich wie Esperanto bei den gesprochenen Sprachen setzte sich diese geplante Lösung nicht als Alltagssprache durch. International Sign entwickelte sich stattdessen aus der Praxis weiter. Mehr dazu findest du im Glossar unter International Sign.

Wo wird International Sign (IS) verwendet?

International Sign begegnet dir überall dort, wo taube Menschen aus vielen Ländern zusammenkommen:

  • bei Kongressen und Konferenzen des Weltverbands der Gehörlosen und der europäischen Verbände
  • bei den Deaflympics, den Olympischen Spielen der Gehörlosen
  • bei internationalen Kultur- und Jugendtreffen
  • im persönlichen Austausch auf Reisen

Bei großen Veranstaltungen arbeiten oft Gebärdensprachdolmetschende, die in International Sign dolmetschen.

Konferenzsaal mit Publikum. Auf der Leinwand über der Bühne ist eine Gebärdensprachdolmetscherin zu sehen.

Wie viele Gebärdensprachen gibt es weltweit?

Die Vereinten Nationen gehen von mehr als 300 Gebärdensprachen weltweit aus. Die genaue Zahl ist schwer zu bestimmen, weil viele Gebärdensprachen kaum erforscht sind und die Grenze zwischen Sprache und Dialekt nicht immer klar ist. Manche Länder haben mehrere Gebärdensprachen, und in manchen Regionen gibt es Gebärdensprachen, die nur in einem Dorf oder einer Gemeinschaft verwendet werden.

Eine Hand dreht auf einem Schreibtisch einen Globus mit Blick auf Europa und Afrika. Daneben liegen ein offenes Notizbuch und ein Stift, dazu steht eine gelbe Tasse.

Die größten nationalen Gebärdensprachen im Überblick

DGS: Deutsche Gebärdensprache

Die Sprache der Gehörlosengemeinschaft in Deutschland. Seit 2002 ist sie gesetzlich als eigenständige Sprache anerkannt. Sie hat regionale Dialekte und ein Einhand-Fingeralphabet.

ASL: American Sign Language

Die amerikanische Gebärdensprache wird in den USA und in Teilen Kanadas verwendet. Sie ist eng mit der französischen Gebärdensprache LSF verwandt und gehört zu den am besten erforschten Gebärdensprachen.

BSL: British Sign Language

Die britische Gebärdensprache unterscheidet sich stark von der ASL, obwohl in beiden Ländern Englisch gesprochen wird. Die BSL nutzt ein Zwei-Hand-Fingeralphabet.

Weitere nationale Gebärdensprachen weltweit

Zu den bekannten Gebärdensprachen gehören außerdem die französische Gebärdensprache LSF, die österreichische ÖGS, die Deutschschweizer Gebärdensprache DSGS, die brasilianische Gebärdensprache Libras und die japanische Gebärdensprache. In vielen Ländern ist die eigene Gebärdensprache inzwischen gesetzlich anerkannt, in Brasilien zum Beispiel seit 2002.

DGS, ASL und BSL: Was unterscheidet sie?

Gebärdensprachen unterscheiden sich auf mehreren Ebenen. Für eine taube Person aus Deutschland ist ASL oder BSL zunächst so fremd wie Englisch für jemanden, der nur Deutsch spricht.

Wortschatz

Für denselben Begriff gibt es in jeder Gebärdensprache eine eigene Gebärde. Nur einige ikonische Gebärden, etwa für Essen oder Trinken, ähneln sich.

Grammatik

Satzbau, Verbformen und die Nutzung des Gebärdenraums folgen in jeder Sprache eigenen Regeln.

Mimik und Mundgestik

Auch Mundbilder und Mundgestik unterscheiden sich, weil sie oft an die jeweilige Lautsprache angelehnt sind.

Fingeralphabet

DGS und ASL nutzen ein Einhand-Fingeralphabet, die BSL ein Zwei-Hand-Fingeralphabet. Mehr dazu auf unserer Seite zum Gebärdensprache Alphabet.

Zwei Porträts nebeneinander. Links eine Frau im gelben Pullover vor violettblauem Hintergrund, rechts ein Mann im violettblauen Pullover vor gelbem Hintergrund.

Gebärdensprache ist keine Weltsprache, aber sie verbindet Menschen. Fang mit der Sprache deines Landes an.

Warum sind Gebärdensprachen nicht international einheitlich?

Sprachen entstehen dort, wo Menschen miteinander kommunizieren. Taube Menschen in Paris, Berlin oder New York lebten lange in getrennten Gemeinschaften. Jede Gemeinschaft entwickelte ihre eigene Sprache, so wie sich auch Deutsch, Französisch und Englisch unabhängig voneinander entwickelt haben.

Geschichte der Gebärdensprache: Wie entstanden nationale Unterschiede?

Eine wichtige Rolle spielten die ersten Gehörlosenschulen. In Paris gründete Abbé de l’Épée im 18. Jahrhundert eine der ersten öffentlichen Gehörlosenschulen. 1778 folgte in Leipzig die erste staatlich anerkannte Gehörlosenschule in Deutschland. An diesen Schulen kamen taube Kinder zusammen, und ihre Gebärden entwickelten sich zu den heutigen nationalen Sprachen weiter.

Dass ASL und LSF verwandt sind, hat ebenfalls einen historischen Grund: Der taube Lehrer Laurent Clerc aus Frankreich half 1817 dabei, die erste dauerhafte Gehörlosenschule der USA in Hartford zu gründen. Gehörlosenlehrer und Schulgründungen prägten so die Verwandtschaft vieler Gebärdensprachen.

Gebärdensprache und Kultur: mehr als Handzeichen

Gebärdensprachen sind eng mit der Gehörlosenkultur verbunden. Taube Gemeinschaften bewahren die Sprachtradition über Generationen, in Vereinen, Schulen, Theater, Poesie und Erzählkunst. Jede Gebärdensprache trägt damit auch die Geschichte und den Humor ihrer Gemeinschaft. Wer eine Gebärdensprache lernt, lernt immer auch etwas über die Kultur dahinter.

Gebärdensprache lernen für internationale Kommunikation

Können sich taube Menschen aus verschiedenen Ländern trotzdem verständigen? Oft erstaunlich gut. Wer eine Gebärdensprache beherrscht, ist geübt darin, visuell zu denken, Gebärden zu umschreiben und Mimik gezielt einzusetzen. Auf internationalen Treffen finden taube Menschen deshalb oft schneller eine gemeinsame Ebene als hörende Menschen ohne gemeinsame Lautsprache.

DGS als Einstieg in die Gebärdenwelt

Wenn du in Deutschland lebst, ist die Deutsche Gebärdensprache der richtige Anfang. Mit ihr kommunizierst du mit tauben Menschen in deiner Umgebung. Gleichzeitig lernst du die Prinzipien, die viele Gebärdensprachen teilen: den Einsatz von Raum, Mimik und Körperhaltung. Das erleichtert dir später den Kontakt mit tauben Menschen aus anderen Ländern und das Verständnis von International Sign.

Wo du anfangen kannst, zeigen dir unsere Seiten Gebärdensprache lernen und Gebärdensprache lernen für Anfänger. Warum der Begriff Zeichensprache nicht ganz passt, erklären wir auf einer eigenen Seite.

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Mit der Gebärdensprache lernen App Duomano lernst du Gebärden in Videos von tauben Gebärdenden, von zu Hause oder unterwegs.

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Häufige Fragen zu Gebärdensprache international

Gibt es eine internationale Gebärdensprache?

Nein, eine einheitliche internationale Gebärdensprache gibt es nicht. Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache. Für den internationalen Austausch nutzen taube Menschen International Sign.

Was ist International Sign (IS) und wie wird es verwendet?

International Sign ist eine Kommunikationsform, die Gebärden aus verschiedenen Sprachen, ikonische Gebärden und Mimik verbindet. Sie wird bei internationalen Konferenzen, Sportveranstaltungen und Treffen verwendet.

Wie viele Gebärdensprachen gibt es weltweit?

Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es mehr als 300 Gebärdensprachen. Die genaue Zahl ist unbekannt, weil viele Gebärdensprachen noch kaum erforscht sind.

Ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ähnlich wie ASL oder BSL?

Nein. DGS, ASL und BSL sind eigenständige Sprachen mit eigenem Wortschatz und eigener Grammatik. Einzelne ikonische Gebärden können sich ähneln.

Können sich Gehörlose aus verschiedenen Ländern verständigen?

Ja, oft recht gut. Mit International Sign, ikonischen Gebärden und Mimik finden taube Menschen schnell eine gemeinsame Ebene, auch wenn sie unterschiedliche Gebärdensprachen nutzen.

Kann ich mit DGS im Ausland kommunizieren?

Nur eingeschränkt. Die DGS wird im Ausland nicht verstanden, aber deine Erfahrung mit visueller Kommunikation hilft dir, dich mit Gesten, Mimik und ikonischen Gebärden zu verständigen.

Wie unterscheiden sich Gebärdensprachen in verschiedenen Ländern?

Sie unterscheiden sich im Wortschatz, in der Grammatik, in Mundbildern und im Fingeralphabet. Zusätzlich gibt es innerhalb vieler Länder regionale Dialekte.

Ist das Fingeralphabet international?

Nein. Viele Länder nutzen Einhand-Fingeralphabete, die sich ähneln, aber nicht gleich sind. Großbritannien nutzt zum Beispiel ein Zwei-Hand-Fingeralphabet.

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