Lautsprache

Lautsprache ist gesprochene Sprache. Sie wird mit Stimme und Mund gebildet und über das Gehör wahrgenommen. Deutsch und Englisch sind Lautsprachen, ebenso Arabisch, Polnisch oder Türkisch. Den Begriff liest du vor allem dann, wenn es auch um Gebärdensprache geht, etwa in der Gehörlosengemeinschaft oder in der Sprachwissenschaft. Für viele gehörlose und taube Menschen gehören beide Sprachformen zum Alltag: die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als visuelle Sprache und Deutsch in Schrift und Lautsprache als Sprache der hörenden Mehrheit.

Zwei Frauen sitzen im Wohnzimmer nebeneinander und unterhalten sich. Die rechte spricht mit fragender Mimik, die linke hört lächelnd zu.
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Was ist Lautsprache? Definition und Herkunft des Begriffs

Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) beschreibt Lautsprache als Sprache, die Sprachlaute zur Kommunikation nutzt. Linguistisch heißt das: Lautsprachen sind auditiv-vokal. Sie werden mit dem Stimmapparat erzeugt und mit den Ohren aufgenommen. Gebärdensprachen sind dagegen visuell-manuell. Sie entstehen mit Händen, Gesicht und Oberkörper und werden mit den Augen aufgenommen.

Das Wort setzt sich aus „Laut“ und „Sprache“ zusammen. Im Alltag sagt kaum jemand „Ich spreche Lautsprache“. Hörende sagen „Ich spreche Deutsch“. Der Begriff wird gebraucht, sobald eine zweite Sprachform daneben steht. Taube Menschen sprechen deshalb oft von der „deutschen Lautsprache“, um sie von der DGS abzugrenzen. Beides sind gleichwertige Sprachen. Sie nutzen nur unterschiedliche Kanäle.

Wer nach Zeichensprache sucht, meint meist Gebärdensprache. Fachlich korrekt ist der Begriff Gebärdensprache, denn es handelt sich um natürliche Sprachen mit eigener Grammatik. Das Institut für Deutsche Gebärdensprache der Universität Hamburg hält fest, dass Gebärdensprachen den Lautsprachen vollkommen gleichwertig gegenüberstehen.

Anwendungen der Lautsprache

Lautsprache begleitet den Alltag der hörenden Mehrheit von früh bis spät. Wer hört, nutzt sie meist, ohne darüber nachzudenken:

  • Gespräche: in der Familie, im Freundeskreis und im Beruf.
  • Bildung: Unterricht, Vorträge und Prüfungen laufen überwiegend in gesprochener Sprache.
  • Medien: Radio, Podcasts, Telefonate und Sprachnachrichten.
  • Technik: Sprachassistenten und Navigationsgeräte reagieren auf gesprochene Befehle.
  • Durchsagen: am Bahnhof, im Flugzeug oder in Notfällen.

Für taube Menschen sind viele dieser Situationen Barrieren. Was passiert mit einer Durchsage, wenn man sie nicht hören kann? Sie geht verloren, solange es keine visuelle Alternative gibt, etwa eine Anzeigetafel, Untertitel oder Gebärdensprache.

Wie Lautsprache entsteht: Laute, Phonetik und Sprachstruktur

Lautsprache wird mit den Artikulationsorganen gebildet, auch Sprechwerkzeuge genannt: Lunge, Kehlkopf mit den Stimmlippen, Zunge, Gaumen, Zähne und Lippen. Die Lunge liefert den Luftstrom, im Kehlkopf entsteht die Stimme, im Mund- und Rachenraum wird der Laut geformt. Die Wissenschaft, die Sprachlaute untersucht, heißt Phonetik. Die Phonologie fragt dagegen, welche Laute in einer Sprache Bedeutung unterscheiden.

Vokale und Konsonanten

Bei Vokalen wie a, e oder o strömt die Luft frei. Bei Konsonanten wird der Luftstrom an einer Stelle gehemmt oder verengt.

Stimmhaft und stimmlos

Schwingen die Stimmlippen mit, ist ein Laut stimmhaft, wie b oder d. Bleiben sie ruhig, ist er stimmlos, wie p oder t.

Ort der Bildung

Bilabiale Laute wie b, p und m entstehen mit beiden Lippen, velare Laute wie g und k am hinteren Gaumen.

Art der Bildung

Bei Plosiven wie p und k wird die Luft gestaut und plötzlich gelöst. Bei Frikativen wie f und s strömt sie durch eine Engstelle.

Bedeutung von Lauten für Wörter und Sätze

Jede Lautsprache besteht aus einer endlichen Menge von Sprachlauten. Aus ihnen entstehen unzählige Wörter und Sätze. Schon ein einzelner Laut kann die Bedeutung verändern: Haus und Maus unterscheiden sich nur im ersten Laut. Zusammen bilden die Laute das Lautsystem einer Sprache. Das Deutsche hat ein anderes Lautsystem als Englisch oder Polnisch, deshalb fällt die Aussprache einer fremden Sprache oft schwer.

Gebärdensprachen funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip, nur visuell: Statt Lauten unterscheiden Handform, Handstellung, Ausführungsort und Bewegung die Bedeutung. Mehr dazu auf unserer Seite Grundlagen der Gebärdensprache.

Rolle von Lautschrift und Alphabet beim Spracherwerb

Das Alphabet bildet die Laute nur ungenau ab. Im Deutschen wird „sch“ mit drei Buchstaben geschrieben, ist aber ein einzelner Laut. Deshalb gibt es die Lautschrift: Das Internationale Phonetische Alphabet, kurz IPA, hat für jeden Sprachlaut der Sprachen der Welt ein eigenes Zeichen. Du findest es zum Beispiel in Wörterbüchern bei der Aussprache.

Hörende Kinder lernen zuerst sprechen und verbinden später Laute mit Buchstaben. Für taube Kinder ist dieser Weg über das Hören versperrt. Sie lernen Lesen und Schreiben oft über die Gebärdensprache und das Fingeralphabet und erschließen sich die Regeln der deutschen Rechtschreibung visuell.

Sprache funktioniert auch ohne Laute. Sieh selbst, wie.

Lautsprache und Gebärdensprache: die wichtigsten Unterschiede

Beide Sprachformen können alles ausdrücken, von der Einkaufsliste bis zur Poesie. Der Unterschied liegt in der Modalität, also darin, wie Sprache produziert und wahrgenommen wird. Daraus ergeben sich eigene Regeln für Satzbau und Grammatik.

Kanal: Ohr oder Auge

Lautsprache arbeitet mit Schallwellen. Gebärdensprache arbeitet mit Licht: Hände, Mimik und Körperhaltung werden gesehen. Deshalb braucht ein Gespräch in DGS Blickkontakt.

Nacheinander oder gleichzeitig

In der Lautsprache folgen Laute und Wörter linear aufeinander. In der Gebärdensprache laufen mehrere Informationen simultan: Eine Gebärde kann zugleich Handlung, Richtung und Intensität zeigen.

Raum als Grammatik

DGS verortet Personen und Dinge im Gebärdenraum vor dem Körper. Richtungsverben zeigen, wer wem etwas tut. Die Lautsprache braucht dafür Endungen, Pronomen und Wortstellung.

Mimik statt Stimmmelodie

Was in der Lautsprache die Betonung leistet, übernimmt in der DGS das Gesicht. Augenbrauen, Blick und Kopfhaltung markieren Fragen, Bedingungen oder Verneinung.

Andere Satzstellung

Deutsch stellt das Verb im Hauptsatz an die zweite Stelle. Die DGS nutzt meist die Folge Subjekt, Objekt, Verb. Zeitangaben stehen am Satzanfang: MORGEN ICH BUCH KAUFEN.

Eigenes Lexikon

Gebärden sind keine Übersetzungen deutscher Wörter. Viele Begriffe haben in der DGS eine eigene Form, manche Gebärde deckt mehrere deutsche Wörter ab, und es gibt regionale Varianten.

Ein Beispiel: Fragen in Lautsprache und DGS

Im Deutschen erkennst du eine Frage an der Wortstellung und an der Stimme, die am Ende nach oben geht. In der DGS bleibt die Reihenfolge der Gebärden oft gleich wie im Aussagesatz. Die Frage entsteht im Gesicht. Bei W-Fragen wie „Wo wohnst du?“ sind die Augenbrauen meist zusammengezogen oder gesenkt. Bei Entscheidungsfragen, also Ja-Nein-Fragen wie „Kommst du mit?“, sind die Augenbrauen hochgezogen und der Kopf ist leicht nach vorn geneigt. Diese Mimik ist Grammatik und kein Gefühlsausdruck.

Lautsprache, Schriftsprache und Gebärdensprache

Lautsprache und Schriftsprache hängen eng zusammen. Unser Alphabet bildet die Laute des Deutschen ab. Wer hört, lernt zuerst sprechen und verbindet später Buchstaben mit bekannten Lauten. Taube Kinder haben diesen Zugang über das Gehör nicht oder nur eingeschränkt. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit hält fest, dass die Mehrheit der gehörlosen Menschen Deutsch in Wort und Schrift nicht als Erstsprache hat. Geschriebenes Deutsch lernen sie über das Auge, oft als Zweitsprache.

Die DGS hat keine verbreitete Alltagsschrift. Für die Forschung gibt es Notationssysteme wie das Hamburger Notationssystem HamNoSys, das Gebärden nach Handform, Ausführungsstelle und Bewegung beschreibt. Im Alltag schreiben taube Menschen auf Deutsch. Gebärdensprachliche Inhalte werden heute vor allem als Video geteilt.

Das Fingeralphabet als Brücke zur Schrift

Eine Verbindung zwischen DGS und Schrift ist das Fingeralphabet. Jeder Buchstabe hat eine eigene Handform. So lassen sich Namen, Fachwörter oder Begriffe ohne feste Gebärde buchstabieren. Das Fingeralphabet ersetzt die Gebärdensprache nicht, es ergänzt sie. Wie die Handformen aussehen und wie du sie übst, zeigt dir unsere Seite zum Gebärdensprache Alphabet.

Lautsprachbegleitende Gebärden, LUG und DGS

Im Zusammenhang mit Lautsprache tauchen Begriffe auf, die oft verwechselt werden. Sie alle nutzen Gebärden, folgen aber unterschiedlichen Regeln.

Deutsche Gebärdensprache (DGS)

Eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik und eigenem Wortschatz. Sie ist die Erstsprache vieler tauber Menschen in Deutschland.

Lautsprachbegleitende Gebärden (LBG)

Hier wird jedes gesprochene Wort von einer Gebärde begleitet. Grammatik und Satzbau bleiben deutsch. LBG ist sichtbar gemachtes Deutsch und keine eigene Sprache. Genutzt wird es oft von schwerhörigen oder spät ertaubten Menschen.

Lautsprachunterstützende Gebärden (LUG)

Nur die Schlüsselwörter eines Satzes werden gebärdet. LUG kommt in der Sprachförderung und in der Unterstützten Kommunikation zum Einsatz, etwa in Kitas.

Mundbild und Mundgestik

Das Mundbild ist ein lautlos artikuliertes deutsches Wort, oft verkürzt, das eine Gebärde begleitet. Mundgestik ist eine Mundbewegung ohne Bezug zu einem deutschen Wort, zum Beispiel aufgeblasene Wangen.

Frau im blauen Pullover vor gelbem Hintergrund gebärdet mit fragender Mimik, die Stirn gerunzelt, der Mund geöffnet.

Auch das Recht unterscheidet hier genau. In § 6 des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) heißt es: „Die Deutsche Gebärdensprache ist als eigenständige Sprache anerkannt.“ Und weiter: „Lautsprachbegleitende Gebärden sind als Kommunikationsform der deutschen Sprache anerkannt.“ Die DGS ist also eine eigene Sprache, LBG eine Form, Deutsch sichtbar zu machen.

Einfluss der Lautsprache auf die Gebärdensprache

Die Deutsche Gebärdensprache ist eine eigenständige Sprache. Trotzdem steht sie in Kontakt mit der deutschen Lautsprache, weil taube Menschen in einer überwiegend hörenden Umgebung leben. Diesen Einfluss siehst du an mehreren Stellen:

  • Mundbilder: Viele Gebärden werden von einem lautlos gesprochenen deutschen Wort begleitet.
  • Fingeralphabet: Es bildet die deutsche Schrift ab und wird für Namen und neue Wörter genutzt.
  • Initialgebärden: Manche Gebärden nutzen die Handform des Anfangsbuchstabens des deutschen Wortes.
  • Neue Begriffe: Wörter aus der Lautsprache werden oft zuerst buchstabiert, bevor sich eine eigene Gebärde entwickelt.

Grammatik und Satzbau der DGS bleiben davon unabhängig. Wer Gebärden in der Reihenfolge deutscher Sätze aneinanderreiht, nutzt lautsprachbegleitende Gebärden, aber keine DGS.

Du sprichst Lautsprache. Lerne jetzt die Sprache, die man sieht: Deutsche Gebärdensprache mit Videos von tauben Gebärdenden.

Geschichte: Wie die Lautsprache zur Pflicht wurde

Lange galt Lautsprache als einzige „richtige“ Sprache. Diese Haltung hat die Bildung tauber Menschen über ein Jahrhundert geprägt. Fachleute nennen sie Oralismus: Unterricht nur in Lautsprache, Gebärden verboten. Die Folgen spüren viele taube Menschen bis heute. Die Abwertung von Gebärdensprache gegenüber Lautsprache ist ein Beispiel für Audismus.

1880: Kongress in Mailand

Im September 1880 stimmen in Mailand 160 von 164 Delegierten, fast ausschließlich hörende Lehrkräfte, dafür, die Lautsprache im Unterricht der Gebärdensprache vorzuziehen. Taube Lehrkräfte verlieren ihre Stellen, Gebärden werden in Schulen verboten.

1960: William Stokoe

Der US-Linguist veröffentlicht „Sign Language Structure“, die erste moderne linguistische Analyse einer Gebärdensprache. Er zeigt, dass die American Sign Language wie Lautsprachen aus kleinsten Bausteinen aufgebaut ist.

2002: Anerkennung der DGS

Mit dem Behindertengleichstellungsgesetz wird die Deutsche Gebärdensprache am 1. Mai 2002 als eigenständige Sprache gesetzlich anerkannt.

2009: UN-Behindertenrechtskonvention

Seit dem 26. März 2009 gilt die Konvention in Deutschland. Sie stärkt das Recht auf Bildung und Information in Gebärdensprache.

2010: Vancouver

Der Internationale Kongress zur Bildung Gehörloser (ICED) weist die Mailänder Beschlüsse zurück und bedauert ihre Folgen für taube Menschen.

2021: Immaterielles Kulturerbe

Die DGS wird in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen.

Spracherwerb: Taube Kinder zwischen DGS und Lautsprache

Kinder erwerben Sprache über den Kanal, der ihnen zugänglich ist. Taube Kinder nehmen Gebärdensprache vollständig über die Augen auf. Lautsprache erreicht sie über das Gehör nicht oder nur teilweise, auch mit Hörgerät oder Cochlea-Implantat bleibt der Zugang unterschiedlich. Eine Studie von Laura-Ann Petitto und Paula Marentette in der Fachzeitschrift Science von 1991 zeigte: Taube Kinder gebärdender Eltern babbeln mit den Händen, und zwar um den zehnten Lebensmonat, also im gleichen Zeitfenster, in dem hörende Kinder mit der Stimme babbeln.

Der Internationale Kongress zur Bildung Gehörloser (ICED) rief 2010 in Vancouver alle Länder auf, in Bildungsprogrammen alle Sprachen zu akzeptieren und zu respektieren, auch nationale Gebärdensprachen. Ein bimodal-bilingualer Weg setzt das um. Das Kind lernt DGS als sichere Basis und Deutsch in Schrift und, je nach Hörstatus, auch in Lautsprache. Eine Sprache verdrängt die andere dabei nicht. Wie Schulen das umsetzen, beschreibt unser Glossar zur Gehörlosenschule.

CODA: Hörende Kinder tauber Eltern

CODA steht für „Children of Deaf Adults“. Diese hörenden Kinder wachsen oft mit DGS als Familiensprache und mit Deutsch als Lautsprache der Umgebung auf. Sie sind bimodal-bilingual, also zweisprachig in zwei Modalitäten. Manche werden später Gebärdensprachdolmetschende.

Lippenlesen: Warum Lautsprache nur zum Teil sichtbar ist

Viele Hörende glauben, taube Menschen könnten alles von den Lippen ablesen. Das stimmt nicht. Ein großer Teil der Laute entsteht im Mundraum oder im Rachen und ist von außen nicht zu sehen. Der Deutsche Gehörlosen-Bund schreibt, dass man unter optimalen Bedingungen nur etwa 30 Prozent des Gesprochenen auf dem Mund wahrnehmen kann. 70 Prozent müssen erraten werden. Der Schweizerische Gehörlosenbund nennt 20 bis 30 Prozent.

Dazu kommt: Viele Laute sehen gleich aus. „p“, „b“ und „m“ wirken auf den Lippen fast identisch, ebenso „Butter“ und „Mutter“. Den Rest ergänzt das Gehirn aus dem Zusammenhang. Fachleute sprechen deshalb lieber von Absehen als von Lesen. Absehen kostet viel Konzentration, in Gruppen mit mehreren Sprechenden wird es kaum möglich.

Kommunikation zwischen hörenden und tauben Menschen

Hörende sprechen meist Lautsprache, viele taube Menschen kommunizieren am liebsten in DGS. Damit ein Gespräch klappt, hilft es, auf das Gegenüber zu achten und nach der bevorzugten Kommunikationsform zu fragen. Manche taube Menschen sprechen selbst, andere schreiben oder gebärden.

Tipps für dein nächstes Gespräch

Schau dein Gegenüber an und sprich in normalem Tempo, ohne zu übertreiben.
Halte deinen Mund frei, also keine Hand und keine Tasse davor.
Achte auf Licht im Gesicht und nicht im Rücken.
Frag nach, ob die Person lieber schreibt, absieht oder gebärdet.
Nutze Stift, Handy oder Gesten, wenn es hakt.
Lerne erste Gebärden und das Fingeralphabet für Namen.
Plane bei wichtigen Terminen Dolmetschende ein.

Gebärdensprachdolmetschende und Schriftdolmetschende

Gebärdensprachdolmetschende übertragen zwischen deutscher Lautsprache und DGS, in beide Richtungen. Schriftdolmetschende schreiben das Gesprochene in Echtzeit mit, sodass es mitgelesen werden kann. Dieses Angebot nutzen vor allem schwerhörige und spät ertaubte Menschen, die Deutsch gut lesen, aber keine Gebärdensprache nutzen. Nach der Kommunikationshilfenverordnung gilt Schriftdolmetschen als Kommunikationshilfe, die dem Gebärdensprachdolmetschen gleichgestellt ist.

Für taubblinde Menschen reichen weder Lautsprache noch visuelle Gebärden. Sie kommunizieren etwa über taktile Gebärden oder Lormen. Mehr dazu findest du im Glossar zur Taubblindheit.

Die Zukunft der Lautsprache in einer digitalen Welt

Lautsprache wird zunehmend von Technik verarbeitet. Sprachassistenten verstehen Befehle, Programme schreiben Gesprochenes automatisch mit, und Übersetzungsdienste übertragen Gespräche in Echtzeit. Für taube Menschen bringt das neue Chancen: Automatische Untertitel machen Videos, Vorträge und Videokonferenzen zugänglicher, und Spracherkennungs-Apps schreiben Gespräche mit.

Die Technik hat aber Grenzen. Automatische Untertitel sind fehleranfällig, und Gebärdensprache lässt sich bisher nur eingeschränkt maschinell übersetzen. Gebärdensprachavatare werden erforscht, ersetzen aber weder taube Gebärdende noch Dolmetschende. Für echte Verständigung bleibt es wichtig, dass Menschen Gebärdensprache lernen.

Mythen über Lautsprache und Gebärdensprache

Rund um Lautsprache und taube Menschen halten sich hartnäckige Irrtümer. Diese fünf begegnen uns am häufigsten.

Mythos: Gebärdensprache ist Lautsprache in Handzeichen.

Fakt: Die DGS hat eine eigene Grammatik, die mit Raum und Mimik arbeitet. Deutsch Wort für Wort in Gebärden zu begleiten, ist LBG. Das ist eine Kommunikationsform des Deutschen und keine eigene Sprache.

Mythos: Taube Menschen sind „stumm“.

Fakt: Taube Menschen haben eine Stimme, und sie haben eine vollständige Sprache. Der Deutsche Gehörlosen-Bund weist darauf hin, dass der Begriff „taubstumm“ veraltet ist und als abwertend empfunden wird. Richtig sind „taub“ oder „gehörlos“.

Mythos: Alle tauben Menschen können Lippenlesen.

Fakt: Nur ein kleiner Teil der Laute ist auf den Lippen sichtbar. Absehen gelingt mit Kontext und Übung teilweise, es bleibt aber anstrengend und lückenhaft.

Mythos: Gebärdensprache ist international.

Fakt: Jedes Land hat eigene Gebärdensprachen, in Deutschland die DGS, in den USA die ASL. Für internationale Treffen gibt es International Sign. Das ist eine Kommunikationsform, eine Art Kontaktsprache, die Gebärden aus verschiedenen Sprachen und Umschreibungen nutzt. Eine nationale Gebärdensprache ersetzt sie nicht.

Mythos: Gebärdensprache hemmt das Erlernen der Lautsprache.

Fakt: Diese Annahme führte 1880 zum Verbot der Gebärden im Unterricht. Heute ist sie widerlegt. Eine sichere Erstsprache, auch eine Gebärdensprache, ist eine gute Grundlage für jede weitere Sprache.

Du sprichst Lautsprache? So lernst du DGS

In Deutschland leben laut Deutschem Gehörlosen-Bund rund 80.000 gehörlose Menschen. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit schreibt, dass in Deutschland etwa 200.000 Menschen die Deutsche Gebärdensprache sprechen, davon rund 80.000 gehörlose. Dazu zählen Angehörige, Dolmetschende und viele Lernende.

Für hörende Lernende ist die größte Umstellung der Kanal. Du lernst, mit den Augen zuzuhören und mit Gesicht und Händen zu sprechen. Mimik fühlt sich anfangs ungewohnt an, gehört aber von der ersten Gebärde an dazu. Einen Überblick über Lernwege findest du auf unserer Seite Gebärdensprache lernen. Wenn du ganz am Anfang stehst, hilft dir der Leitfaden Gebärdensprache lernen für Anfänger.

Duomano ist eine Gebärdensprache lernen App mit Videos von tauben Gebärdenden. Du übst Vokabeln aus dem Alltag, siehst Mundbild und Mimik in echten Videos und wiederholst gezielt, was du noch nicht sicher kannst. Kurse und der Kontakt zur Gebärdensprachgemeinschaft ergänzen das Lernen mit der App.

Warum Lernende Duomano vertrauen

Gebärdensprache lernst du am besten von Menschen, für die sie Erstsprache ist. Darauf baut Duomano auf.

Von tauben Fachleuten mitentwickelt

Die Inhalte stammen von tauben Gebärdenden. Du lernst echte DGS und keine Gebärden, die nur deutsche Wörter nachbilden.

Fachlich geprüft

Die Lerninhalte entstehen in Zusammenarbeit mit Fachleuten der Gebärdensprachlinguistik und werden regelmäßig überprüft.

Von der Community genutzt

Über 10.000 Nutzende haben mit Duomano begonnen. Auch taube Menschen nutzen die App, um Fachgebärden nachzuschlagen.

Sicher und aktuell

Duomano arbeitet DSGVO-konform und erweitert den Wortschatz laufend um neue Gebärden.

Zwei Sprachen, ein Gespräch. Mit Duomano lernst du DGS Schritt für Schritt und kommst mit tauben Menschen ins Gespräch.

Häufige Fragen zur Lautsprache

Was ist Lautsprache?

Lautsprache ist gesprochene Sprache. Sie wird mit Stimme und Mund gebildet und über das Gehör wahrgenommen. Der Begriff dient vor allem zur Abgrenzung von Gebärdensprachen.

Was ist der Unterschied zwischen Lautsprache und Gebärdensprache?

Lautsprachen sind auditiv-vokal und laufen linear ab. Gebärdensprachen sind visuell-manuell und übermitteln mehrere Informationen gleichzeitig, mit Händen, Mimik und dem Raum vor dem Körper. Beide sind vollwertige Sprachen.

Welche Lautsprachen gibt es?

Jede gesprochene Sprache ist eine Lautsprache, also Deutsch, Englisch, Arabisch, Japanisch und tausende weitere. Auch Dialekte wie Bairisch gehören dazu.

Was ist der Unterschied zwischen Lautsprache und Schriftsprache?

Lautsprache wird gesprochen und gehört, Schriftsprache geschrieben und gelesen. Im Deutschen bildet die Schrift die Laute ab. Laut Bundesfachstelle Barrierefreiheit hat die Mehrheit der gehörlosen Menschen Deutsch in Wort und Schrift nicht als Erstsprache.

Was sind lautsprachbegleitende Gebärden?

Bei lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) wird jedes gesprochene Wort mit einer Gebärde begleitet. Grammatik und Satzbau bleiben deutsch. LBG ist laut § 6 BGG eine anerkannte Kommunikationsform der deutschen Sprache.

Können taube Menschen Lautsprache lernen?

Viele taube Menschen sprechen, oft nach jahrelangem Training. Weil sie ihre Stimme nicht über das Gehör kontrollieren, bleibt das anstrengend. Ob jemand spricht, ist eine persönliche Entscheidung. Über DGS haben taube Menschen vollen Zugang zu Sprache.

Hat die Deutsche Gebärdensprache eine Schrift?

Eine verbreitete Alltagsschrift gibt es nicht. Für die Forschung existieren Notationssysteme wie HamNoSys. Im Alltag schreiben taube Menschen Deutsch und teilen Inhalte in DGS als Video.

Seit wann ist die DGS als Sprache anerkannt?

Seit 2002. § 6 des Behindertengleichstellungsgesetzes erkennt die Deutsche Gebärdensprache als eigenständige Sprache an.

Welche Rolle spielt Phonetik in der Lautsprache?

Die Phonetik untersucht, wie Sprachlaute mit den Artikulationsorganen gebildet, übertragen und gehört werden. Sie erklärt zum Beispiel, warum b stimmhaft und p stimmlos ist.

Ist Lautsprache die wichtigste Form der Kommunikation?

Für die hörende Mehrheit ist sie die häufigste. Für viele taube Menschen ist dagegen die Gebärdensprache die wichtigste Sprache. Beide sind vollwertige Formen der Kommunikation.