Gehörlos beschreibt Menschen, die nicht oder kaum hören. Viele von ihnen bezeichnen sich selbst lieber als taub. Für sie ist Taubheit nicht in erster Linie ein Mangel, sondern Teil ihrer Identität, mit eigener Sprache, der Deutschen Gebärdensprache (DGS), und eigener Kultur. In Deutschland leben rund 80.000 gehörlose Menschen. Hier erfährst du, was gehörlos bedeutet, wie Gehörlosigkeit entsteht, wie taube Menschen kommunizieren und wie du mit ihnen ins Gespräch kommst.

Was bedeutet gehörlos?
Medizinisch gilt ein Mensch als gehörlos, wenn das Hörvermögen so stark eingeschränkt ist, dass gesprochene Sprache über das Gehör nicht verstanden werden kann, auch nicht mit Hörgerät. Gehörlos sein bedeutet aber nicht, dass ein Mensch gar nichts hört. Viele haben ein Restgehör und nehmen zum Beispiel laute Geräusche oder Vibrationen wahr. Mehr dazu findest du im Glossar unter Resthörigkeit.
Neben der medizinischen Sicht gibt es eine kulturelle: Viele taube Menschen verstehen sich als sprachliche und kulturelle Gemeinschaft. Der Begriff „taubstumm“ ist veraltet und wird als abwertend empfunden. Taube Menschen sind nicht stumm, sie haben eine Stimme und eine vollständige Sprache.
Gehörlos vs. Schwerhörigkeit: Was ist der Unterschied?
Schwerhörige Menschen hören eingeschränkt, können Lautsprache aber oft mit Hörgerät oder Cochlea-Implantat verstehen. Der Grad des Hörverlustes reicht von leichter über mittelgradige bis zur hochgradigen Schwerhörigkeit. Gehörlose Menschen können Lautsprache über das Gehör nicht verstehen und nutzen meist Gebärdensprache. Die Grenzen sind fließend. Viele schwerhörige Menschen nutzen ebenfalls Gebärdensprache, und manche gehörlose Menschen sprechen in der Lautsprache. Mehr zum Thema findest du im Glossar unter Schwerhörigkeit.
Ursachen: Wie entsteht Gehörlosigkeit?
Angeboren vs. erworben
Gehörlosigkeit kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen. Wer vor dem Spracherwerb taub ist, spricht von prälingualer Taubheit. Wer später taub wird und bereits eine Lautsprache gelernt hat, von postlingualer Taubheit oder Ertaubung. Die Glossar-Einträge zu prälingualer Taubheit, postlingualer Taubheit und Ertaubung erklären die Unterschiede genauer.
Medizinische Ursachen und Risikofaktoren
Leben als gehörlose Person: Alltag und Herausforderungen
Taube Menschen führen ein selbstständiges Leben, arbeiten, gründen Familien und engagieren sich in Vereinen. Die Herausforderungen entstehen meist durch Barrieren in einer Umgebung, die auf Hören ausgerichtet ist: Durchsagen am Bahnhof, Telefonhotlines, Videos ohne Untertitel oder Gespräche, in denen niemand Gebärdensprache kann.
Kommunikation im Alltag
Viele gehörlose Menschen kommunizieren am liebsten in Gebärdensprache. Mit Hörenden nutzen sie je nach Situation Schrift, Chat, Lippenlesen oder Gebärdensprachdolmetschende. Lippenlesen ist allerdings sehr anstrengend und nur zum Teil zuverlässig, weil viele Laute auf den Lippen nicht sichtbar sind. Mehr dazu erfährst du auf unserer Seite zur Lautsprache.
Bildung und Beruf
Taube Menschen arbeiten in fast allen Berufen. Für Studium und Arbeit gibt es Unterstützung, etwa durch Gebärdensprachdolmetschende oder Arbeitsassistenz. Im Schwerbehindertenausweis steht für gehörlose Menschen das Merkzeichen Gl. Die Deutsche Gebärdensprache ist seit 2002 gesetzlich als eigenständige Sprache anerkannt.
Gehörlose Kinder: Was Eltern wissen sollten
Die meisten gehörlosen Kinder haben hörende Eltern. Für viele Familien ist die Diagnose deshalb zunächst neu und mit vielen Fragen verbunden.
Frühförderung und sprachliche Entwicklung
In Deutschland wird das Gehör von Neugeborenen kurz nach der Geburt getestet. So wird eine Hörbehinderung früh erkannt. Wichtig ist dann, dass das Kind von Anfang an Zugang zu einer Sprache bekommt, die es vollständig wahrnehmen kann. Gebärdensprache ist für taube Kinder voll zugänglich. Fehlt ein solcher Zugang über längere Zeit, kann es zu sprachlicher Deprivation kommen. Viele Fachleute empfehlen deshalb einen bilingualen Weg mit Gebärdensprache und Deutsch.
Schule und Inklusion
Gehörlose Kinder besuchen Förderschulen mit dem Schwerpunkt Hören oder Regelschulen mit Unterstützung, etwa durch Gebärdensprachdolmetschende. Welche Schule passt, hängt vom Kind, von der Familie und vom Angebot vor Ort ab. Mehr dazu findest du im Glossar unter Gehörlosenschule.
Für Eltern lohnt es sich, selbst Gebärdensprache zu lernen. So kann die ganze Familie mit dem Kind kommunizieren.
Dein Kind ist taub? Lerne Gebärdensprache gemeinsam mit deiner Familie, Schritt für Schritt.
Die Gehörlosengemeinschaft: Kultur, Sprache, Identität
Viele taube Menschen verstehen sich als Teil einer Gemeinschaft mit eigener Sprache und Kultur. Man trifft sich in Gehörlosenvereinen, beim Sport, bei Kulturveranstaltungen und online. Dort werden Erfahrungen geteilt, Informationen weitergegeben und die Sprache gepflegt. Mehr dazu im Glossar unter Gebärdensprachgemeinschaft.
Deutsche Gebärdensprache (DGS): die Sprache der Gehörlosen
Die DGS ist eine visuelle, vollwertige Sprache mit eigener Grammatik. Sie nutzt Handformen, Bewegungen, Mimik und den Raum vor dem Körper. Gebärdensprache ist nicht international, jedes Land hat seine eigene. Wie die DGS aufgebaut ist, erklären wir auf unserer Seite Grundlagen der Gebärdensprache.
Gehörlosenkultur und -verbände in Deutschland
Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. ist der Dachverband der gehörlosen Menschen in Deutschland. Dazu kommen Landesverbände, örtliche Vereine, Sportverbände und Jugendorganisationen. Zur Gehörlosenkultur gehören auch Gebärdensprachtheater, Gebärdensprachpoesie und der Gebärdenname, den viele taube Menschen tragen.
Unterstützung und Hilfsmittel für Gehörlose
Technik und Hilfsmittel
Gebärdensprache lernen: So kannst du Brücken bauen
Schon mit wenigen Gebärden zeigst du einem tauben Gegenüber, dass dir das Gespräch wichtig ist. Diese Tipps helfen im Kontakt:
Gebärdensprache lernen mit der Duomano App
Mit der Gebärdensprache lernen App Duomano lernst du Gebärden in Videos von tauben Gebärdenden. Du übst Alltagsvokabeln, siehst Mimik und Mundbild genau und wiederholst gezielt, was noch nicht sitzt. Über 1.000 Gebärden aus verschiedenen Themenbereichen und das Fingeralphabet stehen dir zur Verfügung. Wie du am besten anfängst, zeigen unsere Seiten Gebärdensprache lernen und Gebärdensprache lernen für Anfänger.
FAQ: Gehörlos
Was bedeutet gehörlos?
Gehörlos bedeutet, dass ein Mensch gesprochene Sprache über das Gehör nicht verstehen kann, auch nicht mit Hörgerät. Viele gehörlose Menschen bezeichnen sich selbst als taub und nutzen Gebärdensprache als Erstsprache.
Was ist der Unterschied zwischen gehörlos und schwerhörig?
Schwerhörige Menschen hören eingeschränkt und verstehen Lautsprache oft mit Hörgerät. Gehörlose Menschen verstehen Lautsprache über das Gehör nicht. Die Übergänge sind fließend.
Welche Sprache sprechen gehörlose Menschen?
In Deutschland nutzen viele gehörlose Menschen die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Daneben lesen und schreiben sie Deutsch, manche sprechen auch in der Lautsprache.
Kann man mit Gehörlosen ohne Gebärdensprache kommunizieren?
Ja, zum Beispiel schriftlich, per Chat oder mit Gesten. Lippenlesen ist nur eingeschränkt zuverlässig. Am besten klappt die Kommunikation in Gebärdensprache oder mit Gebärdensprachdolmetschenden.
Wie lerne ich Gebärdensprache, um mit Gehörlosen zu kommunizieren?
Ein guter Start sind eine App wie Duomano, Kurse an Volkshochschulen oder bei Gehörlosenverbänden und der Kontakt zu tauben Menschen, etwa bei Gebärdensprach-Stammtischen.
Was ist die Gehörlosengemeinschaft?
Die Gehörlosengemeinschaft ist die Gemeinschaft tauber Menschen, die eine gemeinsame Gebärdensprache und Kultur teilen. Sie trifft sich in Vereinen, beim Sport und bei Kulturveranstaltungen.

